Müll! Alles Müll!
Alle Jahre wieder … kommt nicht nur das Christuskind oder der Weihnachtsmann, sondern auch das Gemeckere darüber, dass es derart viel Müll auf dem Buchmarkt gibt. Woran natürlich niemand anderes als der Selbstverlag schuld ist. Allein deshalb, weil heutzutage jeder und sein Hund ein Buch veröffentlichen kann. Anlass für diese Echauffiertheit sind für gewöhnlich die Veröffentlichungen von Biografien irgendeines Fußballs–, Tennisstars oder irgendeines Sternchens des Blitzlichtgewitters. Wobei die Ironie hier ist, dass sich die gestandenen Größen der Buchbranche anlässlich solcher Vorgänge nicht über irgendein Selfpublisher Buch aufregen, sondern ein Verlagsexemplar in der Mangel haben. Denn besagte Fußball-,Tennis- oder Bühnen- und Filmstars müssen sich nicht wie Nadine Meier mit dem Selbstverlag zufriedengeben, sondern erhalten direkt, ohne vorherige Prüfung ihrer schriftstellerischen Fähigkeiten, den Luxus eines Verlagsvertrags. Mit allen damit verbundenen Annehmlichkeiten. Was wiederum bedeutet, dass sich die Alteingesessen der Branche an ihresgleichen abarbeiten. Nicht etwa an all den miesen kleinen unfähigen und unerfahrenen Autor*innen die da draußen jetzt aufgrund der „neuen“ Möglichkeiten ihren Traum leben.
Früher war alles besser?
Früher hatte die Literatur noch Qualität. Und was ist jetzt daraus geworden?
Prüfen wir das doch mal.
Vorweg, ehe ich in die Tiefe gehe, ein Wort zum Phänomen Selbstverlag.
Bücher im Selbstverlag zu veröffentlichen und zu drucken ist absolut kein neues, modernes Phänomen. Sicher, wenn man sich das Gemeckere antut, könnte man tatsächlich auf die Idee kommen, dass es das sei. Dass es erst seit etwa 20zig Jahren verfügbar ist, aber, dem ist bei Weitem nicht so.
Die eigenen Werke selbst zu veröffentlichen war früher ein total normaler Weg, begann der Siegeszeug der Verlage erst ab dem 19. Jahrhundert begann. Alles, was davor entstanden ist? Ist in den meisten Fällen vom Autor selbst zum Drucker gebracht, die Druckexemplare vom Autor selbst bezahlt und das Werk damit im Selbstverlag veröffentlicht worden.
Lust auf ein paar illustre Namen?
Schiller und seine Räuber. Als er das Werk 1781 in den Druck gab, war er nicht nur ein unbekannter Autor, er war auch ein Aufrührer und daher ein gesuchter Autor. Das sein Werk derart einschlagen würde, konnte damals noch niemand wissen. Viel wahrscheinlicher war, dass die Räuber in der Luft zerrissen und dann recht schnell verboten werden würden. Das wollte niemand verlegen. Viel zu gefährlich, viel zu schlecht. Also musste Schiller die Druckkosten für den Mannheimer Drucker selbst zahlen. Auch der Vertrieb des Werkes lief über ihn und seine Bekannten. Wenn das kein Selbstverleger aus dem Buch ist, dann weiß ich auch nicht.
Oh, apropros Buch. Was glaubt ihr was DER Mann der Geschichte war, dem wir einen der langlebigsten Bestseller verdanken? Luther, ebenso Stein des Anstoßes wie später Schiller, war einer der ersten Pioniere im Business und daher natürlich, ihr ahnt es, ein Selbstverleger. Wer hätte auch den Druck seines Werkes „Gutenbergbibel“ übernehmen sollen? Schließlich war das Druckwesen gerade erst in den deutschen Landen erfunden worden. Ein Verlagswesen hatte sich damals noch nicht etablieren können. Also musste Luther selbst mit anpacken und für den Druck und nachher den Vertrieb seines Werkes sorgen. Natürlich kam ihm, wie auch Schiller sein „guter“ Ruf zu Hilfe. Wer will nicht das Buch lesen, dass von der Obrigkeit verboten ist. Diese Methode klappt nicht nur seit den Ärzten.
Oh, außerdem, nur mal nebenbei, könnte man, wenn man sich Luther und die Gutenbergbibel ansieht irgendwie auch behaupten, dass Deutschland (Ja, ich weiß, zu Luthers Zeit war es kein Deutschland, das war es erst ab 1871, aber…der Einfachheit halber.) das Land der Selbstverleger ist. Schließlich wurde die Druckerpresse hier erfunden, hier entstanden die ersten Werke, die dann natürlich im Selbstverlag verlegt und veröffentlicht wurden. Cool oder?!
Weitere Selbstverleger?
Shakespeare. Ja, er war kein hunderprozentiger Selbstverleger. Technisch könnte man seine Theatercompany als einen Verleger ansehen, allerdings sind Shakespeares Werke ursprünglich für den Theaterbesuch und rund um das Stück entstanden und gedruckt worden. Sie waren eigentlich nicht dafür gedacht von dem Theaterbesuch losgelöst betrachtet zu werden. Das wir sie heute als Bücher lesen, naja….Shit happens.
Doch werden wir moderner. Schiller und Goethe, Luther, Shakespeare, alles ganz toll, aber später, nachdem sich Verlage etabliert hatten, gibt es doch sicher keine Selbstverleger mehr.
Irrtum.
Moderne Selbstverleger sind keine geringeren als:
Virgina Wolf. Die ist eine Selbstdruckerin, wenn man Selfpublishing mal wortwörtlich übersetzt, im echten Sinne des Wortes, denn sie hat ihre Werke mit einer kleinen Handruckpresse im eigenen Wohnzimmer gedruckt und veröffentlicht. Der heute bekannte Verlag Hogarth Press? Von ihr gegründet, um ihre Werke besser unter die Leute bringen zu können.
Lord Byron, Walt Withman und Pope? Ebenso Selbstverleger.
Ein gewisser Herr Poe? Ein Überläufer, wenn man so will. Edgar Allen Poe hat zuerst im Selbstverlag veröffentlicht und bekam später dann Verlagsangebote. Die ihm jedoch nie sonderlich viel Geld einbrachten. Marcel Proust erging es quasi ebenso. Der Verlag Gallimard lehnte das Manuskript nämlich erst mal ab, so dass Proust den ersten Band seiner „ Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ selbst verlegen musste. Erst danach als das Buch gut ankam, stand der Verlag plötzlich auf der Türschwelle.
Angesichts der kleinen Auswahl hier kann man wohl sagen, dass der Selbstverlag alles, aber kein modernes und erst kürzlich aufgekommenes Phänomen ist. Es gibt ihn schon seit dem Tag an dem die Druckerpresse erfunden wurde und während all der Zeit haben sich auch heute große Namen als Selbstverleger betätigt. Entweder weil sie die volle Kontrolle über ihr Werk und den Prozess behalten wollten (Shakespeare wäre da ein Kandidat für.) oder aber weil sie keine andere Möglichkeit hatten (Schiller, an den niemand glaubte, Luther, bei dem die Presse erst erfunden war.)
Doch kommen wir zum nächsten Vorwurf:
Dumping Preise
Selbstverleger veröffentlichen nicht nur jeden Mist, sie bieten diesen Mist auch noch zu absoluten dumping Preisen an. Was wiederum die Kunden anzieht. Wer gibt schon gern Geld aus? Und was dann am Ende die Verlagsbranche in die Krise stürzt, weil die Einnahmen fehlen, da ihre teureren Produkte nicht mehr gegen die Billigexemplare ankommen.
Hmmm … Ernsthaft?
Wer glaubt so etwas?
Erstens einmal, nicht jeder Selbstverleger verkauft zu absoluten billig Preisen. Es gibt genügend, die einen normalen Preis für ihre Arbeit verlangen.
Und dann sollten sich die Verlage auch einmal überlegen, warum Selbstverleger überhaupt in der Lage sind, niedrigere Preise anzusetzen.
Ganz einfach, weil sie einen Bruchteil der Kosten der Verlage haben.
Als Selbstverleger mache ich viel allein. Ich bin nicht nur Autorin, ich bin auch noch für den Buchsatz zuständig. Ich mache, teilweise, das Buchcover selbst. Man sieht also hier schon ich übernehme eigentlich drei Rollen und spare so Geld. Dann kann ich es mir aussuchen ob ich gern ein physisches Buch herausgeben möchte, ob ich mich für BoD (book on demand, das Buch wird erst gedruckt, wenn es jemand gekauft hat) oder ob ich sage die elektronische Version reicht mir. Wenn ich mich gegen ein physisches Buch entscheide hat das den Vorteil, dass keine Material- und Lagerkosten anfallen. Denn tote Baum Editionen müssen ja auf irgendwas gedruckt werden und dann müssen sie irgendwo übernachten können. All das verursacht Kosten. Die ich als guter Selbstverleger nicht habe, weil ich sagen, ich verzichte ganz auf tote Baum Editionen oder aber ich bin für BoD.
Also, wieder Kosten gespart. Wieder kann ich mit dem Preis ein Stück heruntergehen. Wenn ich das will.
Oder muss. Denn viele Selbstverleger wählen die niedrigen Preise nicht aus freien Stücken, sondern weil sie mit den großen Verlagen konkurrieren müssen. Und da diese ein großes Budget für Werbung, Gewinnspiele und ähnliches Zeug haben, müssen die Selbstverleger sich eben überlegen wie sie dagegen ankommen. Was können sie dem Kunden bieten, wenn sie schon kein Geld für Handrücher, personalisierte Teemischungen, teure Schokolade, Bleistifte und Anstecker und anders Zeug haben?
Also, der Vorwurf dass Selbstverleger die Verlagsbranche mit ihren Billigpreisen in den Ruin treiben ist irgendwie hanebüchen.
Doch kommen wir zum nächsten Kritikpunkt: Heute kann ja jeder schreiben und veröffentlichen.
Selfpublishing macht es möglich, dass jeder, wirklich jeder, der einmal verstanden hat, wie man tippen kann, sein Buch auf den Markt bringen kann.
Okay, ja, gut, das stimmt so.
Ja, heute kann jeder veröffentlichen. Das ist schon wahr. Und ja, das heißt auch, dass wirklich alles veröffentlicht wird. Egal ob gut oder schlecht. Aber, nicht alles, was im SP das Licht der Welt erblickt ist schlecht. Was wiederum auch bedeutet, dass nicht alles, was in einem Verlag erscheint automatisch gut und die Krone der literarischen Schöpfung ist.
Vielmehr ist es so, dass Bächer die im Selbstverlag oder bei kleinen Verlagen veröffentlicht werden, Stoffe beinhalten, die sich nicht sehr geradlinig und einfach vermarkten lassen. Weil ihr Stoff eben nicht dem gängigen Format, dem gängigen Trope, dem Trend entspricht. Im Selbstverlag entstehen Bücher, die ein Nischenpublikum glücklich machen, queere Literatur zum Beispiel, die es in den meisten Fällen nicht auf den großen Buchmarkt und in die Verlage schafft, es sei denn sie ist so abgeschliffen, dass es für die breite Masse vermarktbar ist. Oder Bücher, die einem speziellen Subgrenfe angehören, die aber nicht genügend Käufer haben, als dass ein Verlag damit wirklich groß Geld machen könnte.
Verlage hingegen lieben geradlinige, einfach einzuordnende Bücher. Noch mehr lieben sie sie, wenn sie dem Trend entsprechen. Denn einen Trend kann man an viele Menschen verkaufen. Ein Trend verspricht Geld einzubringen. Daher sind Verlage auch immer hinter den aktuellen Trends hinterher. Denn gegen den Strom schwimmen ist riskant. Daher ist man in Verlagen auch eher an Geschichten interessiert, die den Eindruck erwecken sich gut verkaufen zu lassen. Ob die dann einzigartig sind, die Figuren Tiefe haben, der Plot den Leser überraschen kann…. Das ist nicht wichtig.
Wenn man sich Verlage und ihre Bücher anschaut, kann man, in besonders schlimmen Zeiten (Hallo Edward) den Eindruck bekommen sie hätten, was ihre Ware angeht bei Fastfood Restaurants abgekupfert. Sie bieten immer verlässlich das Gleiche und das auch noch schnell, überall verfügbar. Keine langen Wartezeiten. Immer der gleiche Geschmack, die gleiche Konsistenz und zu jeder Tages und Nachtzeit verfügbar. Man weiß, was man will, man weiß bereits vorher, was man bekommt und das ist okay. Denn es gibt Situationen da möchte man keine Experimente machen, da ist es gut zu wissen, was man bekommt. Deswegen existieren solche Ketten noch. Und deswegen gehen wir zu ihnen. Das ist total okay. Allerdings wird man, was uns allen klar ist, in einer Fast-Food-Kette kein kompliziertes drei Gänge Menü mit Austern finden. Das ist auch nicht der Sinn der Sache. Dennoch ab und an möchten manche von uns Austern. Nicht die breite Masse, logisch. Denn von Austern kann man überleben, wenn man muss. Aber wir müssen ja nicht.
Möchte man trotzdem mal Austern probieren oder hat man sogar herausgefunden, dass man Austern sehr mag, dann kann man bei den Kleinverlagen und bei den Selbstverlegern schauen gehen. Denn diese bedienen eben Nischengeschmäcker oder haben die Geschichten, die auf den ersten Blick aussehen wie bekanntes Material, dass sich dann aber als doch nicht so bekannt herausstellt.
So viel also dazu, dass die Verlage und Buchkritiker die Hüter der heiligen Hallen sind und das Schreiben und die Auswahl von dem was das Licht des Tages erblicken darf nur einem kleinen Teil der Menschheit überlassen werden sollte. Einfach um die Qualität zu wahren.
Doch halt, was ist Qualität eigentlich?
Natürlich gibt es schlechte Bücher im SP. So wie es schlechte Bücher im Verlag gibt.
Natürlich ist nicht jedes Cover gelungen, nicht jeder Text lektoriert, nicht jede Veröffentlichung notwendig. Aber wenn wir das für die SP-Branche sagen, dann können wir das für die Verlagsbranche erst recht behaupten.
Die Geschichten von Verlagen enthalten das, was die Branche gerade als Trend feiert. (Again, hello Edward.) Sie entsprechen den neuesten Themen, sie folgen einfachen, klaren Mustern. Und das macht sie einfach zu vermarkten. Nicht zuletzt auch, weil sie den Geschmack der breiten Masse zu eben diesem Zeitpunkt treffen. Doah… das besagt das Wort Trend schließlich.
So weit so gut, aber wenn etwas den Geschmack der breiten Masse trifft, ist es dann automatisch Qualität?
Schwierige Frage. Über Geschmack lässt sich schließlich streiten.
Kommen wir lieber zu Kriterien, die wir als sicheren Garant für Qualität bei Büchern ansehen:
Lektorat, Korrektorat, Cover.
Allen ist klar, dass ein Buch logisch aufgebaut sein sollte, das die Geschichte keine Plotholes haben darf, dass Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler (meine liebste Sportart) vermieden werden sollen und dass das Cover natürlich auch ansprechend aussehen muss, selbst dann, wenn man das Buch nicht nach dem Cover auswählen soll.
Verlage werfen Selbstverlegern vor, sie hätten von all dem keine Ahnung und sie würden auch keinen müden Cent investieren um dafür zu sorgen, dass eben keine Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler, dass keine Plotholes vorliegen und erst recht würden sie keinen Grafiker bezahlen, um ein ansprechendes Cover zu gestalten. Allein daran würde man erkennen, dass Selbstverlegerwerke der letzte Schund seien.
Stimmt das? Investieren Selbstverleger wirklich keinen müden Cent in all diese Sachen? Und ist der Umkehrschluss, dass Verlage sehr wohl Geld in diese Merkmale investieren und Verlagsbücher daher keinen Makel aufweisen richtig?
Wohl kaum.
Ich kenne eine Menge Selbstverleger die Teile des Gehalts aus ihrem Brotjob über Monate ansparen um einen Lektor oder Korrektor zu bezahlen. Ich kenne auch genügend Selbstverleger die einen Grafiker anheuern, um ihnen ein schönes Cover zu basteln und die darauf stolz wie Bolle sind, wenn sie es endlich sehen.
Ich kenne auch genügend Selbstverleger, die einen Mittelweg gehen. Sie machen viel selbst, geben das Lektorat an gute Freunde ab, die das für sie zu einem kleinen Preis machen. Ich kenne Selbstverleger die sich selbst beigebracht haben mit Bildbearbeitungsprogrammen umzugehen, um ihre eigenen Cover zu machen. Oder die bei einem Grafiker, einer Grafikerin, vorgefertigte Elemente, Hintergründe, was auch immer kaufen, um sie dann zu ihrem Cover anzuordnen.
Ich kenne auch genügen Verlagsbücher, mein ganzer Bücherschrank ist voll davon, die zahlreiche Rechtschreib- und Zeichensetzungfehler beinhalten. Von miesen Übersetzungen gar nicht zu sprechen! Das hat mich so manches Buch abbrechen lassen! Ich kenne auch genug Verlagsbücher, die ich, angesichts des Covers, freiwillig hätte liegen lassen. Ebenso kann ich sagen, dass es bei Verlagsbüchern ein ganzes Genre gibt, dass dem entspricht, was ich mir vorstelle, wenn man Selbstverlegern schlimmen Inhalt und billige Aufmachung vorwirft.
Um welches Genre es sich handelt?
Die Groschenromane.
Die Groschenromane, in denen Krankenschwestern ihren Oberarzt finden, in denen Unrecht am Ende wieder Recht gemacht wird, in denen Herzen zueinander finden. In denen Astronauten Alientechnologie entdecken und hoffen so die Erde retten zu können, bis sich das scheinbar endliche Abenteuer immer weiter und weiter ausdehnt, schließlich ganze Galaxien umspannt und eine schier unendliche Serie an Abenteuer mit Schlachten, Technik, Liebe und dem Überkommen von Vorurteilen bietet. Und nebenbei noch zu einer der längsten Sci-Fi Serie der Welt wird. Abgesehen davon, dass sie inzwischen so kultig ist, dass sie jedem was sagt.
All dieser Schund bringt den Verlagen eine stattliche Summe von mehreren Millionen Euro pro Markt in die Kassen. Abgesehen davon, dass sie eine kontinuierliche Nachfrage bedien, die auch in Krisenzeiten guten Umsatz verspricht. Denn so schlimmer und unverlässlicher die Welt draußen wird, desto eher möchten wir uns alle in Geschichten flüchten, die funktionieren, einfach zu lesen sind, die einen abschalten lassen und die einem vertraut sind. Womit wir wieder bei der Fast-Food-Kette wären.
Fazit
Warum also sollten es jetzt die Bücher der Selbstverleger sein, deren Geschichten keine Qualität haben sollen? Warum sollten Selbstverleger die Buchbranche und Verlage ruinieren? Ist es nicht viel mehr so, dass Selbstverleger, ebenso wie die Kleinverlage, keine echte Konkurrenz sind und die Branche sich selbst einen gewaltigen Fuß gestellt hat?
Das Rezept immer die gleichen Sachen anbieten und wichtige gesellschaftliche Trends zu verschlafen, bzw. nicht oder nur in sehr abgespeckter Form zu bedienen, scheint nicht aufzugehen. Auch wollen die Leser nicht nur Trends folgen, sondern abseits des Trends Geschichten entdecken, die eben nicht Schema F bedienen. Hat man aber solche Nischensachen nicht im Sortiment, ist klar, dass man auch nichts verkaufen kann. Außerdem: Trends kann man auch missverstehen. Bisher war es immer eine gute Wahl in den englischsprachigen Raum zu schauen, abzuwarten, was da gut läuft. Ebenso war es eine gute Wahl englische Literatur einzukaufen und sich die Übersetzungsrechte daran zu sichern, um dann die Bestseller aus den USA und England hier zu verlegen und Kasse zu machen.
Ironie an der Geschichte ist, dass solche Bestseller aus dem englischsprachigen Raum oft Selbstverleger waren. Die englischsprachige Welt ist nämlich nicht so strikt, was die Herkunft guter Literatur betrifft. Im Gegenteil. Selfpublisher sind dort gern gesehen und man unterstützt seine lokalen Geschichtenschreiber. Etwa mit eigenen Abteilungen in den Bibliotheken, mit Buchclubs und Schreibwerkstätten, mit Treffen der Buchbranche und der Selbstverleger. Da ist es fast zynisch, dass ausgerechnet solche Projekte hier gern genommen und groß verlegt werden, wenn man die eigenen Geschichtenschreiber so ins Abseits schubst.
Aber gut, wir können also sagen, dass der Vorwurf der Selbstverlag schade der Buchbranche, einer näheren Betrachtung kaum standhält. Vielmehr zeigt sich: Der Selbstverlag ist keine moderne Modeerscheinung, sondern war schon immer ein Werkzeug kreativer Freiheit, genutzt von Größen wie Schiller, Wolf oder Proust. Alles, was sich seit dem Entstehen der Verlagsbranche geändert hat, ist die Sicht darauf.
Ja, heute kann jeder und jede veröffentlichen. Aber das ist kein Nachteil, sondern ein Gewinn für Vielfalt, für Stimmen abseits des Mainstreams, für Geschichten, die überraschen, berühren oder provozieren. Und ja, es wird dabei auch Mittelmäßiges entstehen. Aber war das je anders?
Statt zu jammern, wäre es vielleicht klüger, die neue Landschaft als das zu sehen, was sie ist: eine riesige, lebendige Bibliothek voller Möglichkeiten. Leser*innen sind mündig genug, zwischen Fast-Food und Feinschmeckerliteratur zu wählen – und das Angebot war nie größer.
Wenn also wieder einmal jemand behauptet, der Müll auf dem Markt käme aus dem Selbstverlag, sollte man vielleicht antworten: Müll gibt es überall, aber Perlen eben auch. Man muss nur wissen, wo man sucht.
Fragst du dich jetzt ob ich auch Müll auf den Markt werfe? Dann schau doch mal bei meinen Werken vorbei, um dir ein Bild zu machen.
Wenn du findest, dass dieser Artikel kein Müll, sondern guter Scheiß ist, dann empfiehl den Blog doch weiter. An alle, die mehr lesen sollten. An Literaturkritiker, Verlagsmenschen, eure Lektoren. An andere Selfpublisher, auf dass wir uns gegenseitig den Rücken stärken.
Ansonsten gilt wie immer: Schaut auch im nächsten Monat vorbei, zum nächsten Artikel. Man liest sich!