Steuern zahlen, wenn du kein Geld verdienst – gibt’s da auch Ausnahmen?

„Aber ich verdiene doch nichts!“

Kommt dir der Satz bekannt vor? Ich denke, viele Kreative kennen den Ausruf, denn ja, Geld mit dem Schreiben zu verdienen, ist ein hartes Geschäft, die Gewinne die wir machen sind gering. In den meisten Fällen. Also, wenn dem so ist, wenn wir uns um alles selbst kümmern müssen und dabei kaum was einnehmen, warum will das Finanzamt dann trotzdem was von uns? Was ist aus dem schönen Spruch: „Einem nacken Menschen kannste nicht in die Tasche greifen“, geworden? Musst du wirklich Steuern zahlen, auch wenn du nichts verdienst?

Nun, dass schauen wir uns an.

Du verdienst sehr wenig oder gar nichts. Musst du trotzdem zahlen?

Es klingt paradox, aber auch wenn du kein Geld verdienst oder nur sehr wenig, du musst trotzdm eine Steuererklärung als Freiberufler abgeben. Betonung auf Steuererklärung. Das heißt noch nicht, dass du etwas zahlen musst, denn in erster Linie interessiert sich das Amt für einen Überblick über deine Einnahmen und Ausgaben und entsprechende Nachweise dafür. Hast du wirklich keine bis sehr wenig Einnahmen, nun, dann teilst du dem Amt eben das mit. Nebst den entsprechenden Nachweisen dafür. Gleiches gilt für das Szenario in dem du mehr Ausgaben als Einnahmen hast. Auch das kannst du dem Amt in deiner Erklärung mitteilen.

Allerdings, wie eben bereits angedeutet, nur weil du eine Erklärung abgibst, heißt das nicht, dass du automatisch auch etwas zahlen musst. Niemand muss zahlen, wenn er nichts eingenommen hat. Im Gegenteil. Vielleicht bekommst du sogar etwas wieder. Denn, wenn du Verluste hast (durch Werbung, durch Ausgaben für einen Lektor, durch teure Software, von der ich immer abrate, durch Reisen, durch Bibliotheksgebühren …) kannst du diese gegen die Gewinne der kommenden Jahre verrechnen! Was wiederum bedeutet, dass du dem Amt dann weniger Steuern zahlen musst, als du zahlen müsstest, wenn du die Verluste anfangs nicht gehabt hättest. Cool oder?

Doch natürlich gibt es keine Regel ohne Ausnahmen.

Es gibt durchaus Szenarien in denen du von der Steuererklärung befreit bist.

Null Einnahmen

Solltest du wirklich nichts, gar nichts, nicht einmal einen müden Cent mit der Schreiberei verdienen? Nun, dann bist du tatsächlich von der Erklärung befreit.

Einmalige Einnahmen

Du hast eine Glückssträhne bei der du einmalig etwas einnimmst, aber es ist nicht so viel als dass es den Steuerfreibetrag sprengt? Auch dann musst du keine Erklärung abgeben.

Kleinunternehmer

Eine teilweise Ausnahme von der Erklärung stellt die Kleinunternehmerregelung da. Wenn du weniger als 22.000 Euro pro Jahr verdienst bist du zwar nicht von der Erklärung an sich befreit, aber wenigstens wird dir die Umsatzsteuer erspart. Zwar keine echte Befreiung, aber eine Teilbefreiung.

 

Warum du vielleicht doch eine Erklärung abgeben willst?

Auch wenn du nichts verdienst und eh schon jede Menge zu tun hast, möchtest du dir vielleicht doch den Stress einer Erklärungsabgabe antun. Warum?

Weil, wie oben bereits gesagt, du deinen Verlust absetzen kannst.

Gerade zu Beginn des Autorenlebens kann es sein, dass du einige Anschaffungen machen musst. Du holst dir einen guten Rechner, du besorgst dir vielleicht sogar die teure Software. Du richtest einen Blog, eine Webseite ein, benötigst dabei Hilfe. Es fallen also Kosten für einen ITler jetzt zahlen und in Zukunft musst du Servergebühren blechen. Oder du hast Kosten für Literatur, für eine Bibliothekskarte. Für Recherchereisen und und und. Und das ist nur der Start. Doch auch im Verlauf eines Autorenlebens fallen immer wieder Kosten an. Allein ein gutes Lektorat hat mich vor einigen Jahren 3.000 Euro gekostet. Inzwischen sind die Kosten bestimmt höher. Eine echte Investition. Die Autor*innen regelmäßig machen. Ohne vorher zu wissen, ob sie diese Kosten wieder durch die Bücherverkäufe wett machen können.

Schon ein Risko. Und wenn du dich verkalkuliert hast, wenn du das Geld für ein Lektorat investiert hast ohne dass die Buchverkäufe das wieder reingebracht haben, nun, dann rechnest du am Ende des Steuerjahres deine Einnahmen gegen die Ausgaben auf und siehst deinen Gewinn dahinschmelzen, bis du im Minus bist. Und dieses Minus, so gemein es sich auch anfühlt, ist dein Glücksgriff, denn das Minus schmälert nicht nur deine jetzigen aktuellen Einnahmen, sondern auch zukünftige.

Heißt?

Heißt Folgendes: sagen wir du beginnst deine Autorenkarriere. Du hast, wie oben angeführt jede Menge Kosten, jede Menge Schreibarbeit, bis dir die Finger bluten und eine Veröffentlichung. Diese verkauft sich jedoch nicht wirklich und am Ende kannst du in deiner Steuererklärung angeben, dass du leider mehr Ausgaben als Einnahmen hattest. Du hast keinen Gewinn.
Schade, doch zum Glück verzweifelst du nicht, sondern glaubst an dich, machst weiter und siehe da, im kommenden Jahr bist du der Stern am Literaturhimmel. Deine Bücher verkaufen sich wie geschnitten Brot, du wirst zu gut bezahlten Lesungen eingeladen, du bekommst Werbeverträge…. In anderen Worten, du machst Kohle ohne Ende.
Und am Ende des Jahres stellst du in der Steuererklärung fest, dass du dieses Mal nach Abzug aller Kosten einen Gewinn erzielt hast. Auf diesen müsstest du logischerweise Steuern zahlen. Aber, zum Glück für dich ist das Jahr davor mies gelaufen und du hast noch ein paar „Schulden“ aus dem schlechten Jahr übrig. Diese kannst du zu deinen jetzigen Ausgaben dazutun, so deine Einnahmen mindern und so den Betrag, auf den du Steuern zahlen müsstest schmälern.

Verluste können abgezogen werden. Nicht nur im Jahr der Entstehung, sondern auch noch später. Und so schmäler sie die Steuerlast. Was wiederum heißt: Auch bei geringen bis gar keinen Einnahmen kann die Abgabe einer Erklärung von Interesse für dich sein.

 

Also, ich hoffe ich habe noch mal klarstellen können, warum die Abgabe einer Steuererklärung auch dann interessant sein kann, wenn du nichts verdienst, und hoffe wir sehen uns im nächsten Monat wieder. Wenn du mich bis dahin unterstützen willst oder meinst, dass die Artikel auch für andere spannend und hilfreich sein können, dann empfiehl mich gern weiter. Gern kannst du auch auf Instagramm vorbeischauen und dir ein Bild von meinem Alltag machen. Oder du schaust mal bei meinen Werken vorbei und sorgst dafür, dass ich garantiert Steuern zahlen muss. Bis dann, man liest sich!

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